Geschichtliche Hinweise zum Heiligenhäuschen

Aus der Decker-Chronik

Heiligenhäuschen (Helljerheisje) ein Bildstock der Nieder-Saulheimer Gemarkung Flur „Am Rabenbaum“

Unweit der Kaiserstraße (Bundesstraße 40) steht an der Ausfallstrasse von Udenheim ein Bildstock im Volksmund „Helljerheisje“ genannt. Der Bildstock ist vierseitig aus Kalksteingemauerte, Steinsäule, mit dachförmigen Abschluß die in der oberen verbreiterten Hälfte vier Nischen enthält. Innen standen früher Heiligenfiguren. In einem Udenheimer Weistum vom Jahre 1429 heßt es:

„weißt man einen Weg von Udenheim zum Heyligen Häuszlein nachher Saulheim zu.“ In dem Archiv der Frhen. v. Leym. die in Udenheim und Nieder-Saulheim begütert waren, lesen wir in einm Güterverzeichnis vom Jahre 1599 folgenden Hinweis: „bey Sailheymer Helgen-Häusgen“.

Die Redensart in N.Saulheim „Udenheimer Helljerheische“ ist nach vorgenannter Urkunde nicht angebracht. Der Bildstock steht seit Jahrhunderten auf N.Saulheimer Gebiet und ist mit größter Wahrscheinlichkeit auch von der Gemeindeerrichtet. Am Bergabhang nach Nieder-Saulheim auf halben Wege, stand ehemals auch ein Gebethäuschen, genannt: „Plumers Kirche“ (15. Jht).

Auch ist die Erbauung des Bildstocks mit dem Pilgerfahrt in Verbindung zu bringen, der von Bingen bis Worms jetzt noch nachweisbar ist, durch Wege und Flurnamen, die den Namen „Pilgerspfad“führen. In N.Saulheim finden wir die Flur „Pilgerpfad“im amtlichen Grundbuch (Flur IX) am Südausgangdes Dorfes noch vor.

Vgl. hierzu die Schrift des Verfassers: der Pilgerpfad in N.Saulheim und sein weiterer Weg durch Rheinhessen.

Auch mag ein Unglücksfall vorgelegen haben oder ein Mord an dieser Stelle geschen sein, die den Täterveranlaßte – wozu ihn der Erschlagene geradzu forderte – ein „Seelgerät“ zu errichten, zum Heil seiner Seele. Das Geheimnis werden wir nie ganz lüften. Immer noch steht der Bildstock stum, fremd u. unheimlich in der Landschaft.

Aus der Festschrift 1200 Jahre Udenheim

Der Heiligenstein

Vom Dorfausgang aus zirka 800 Meter, 100 Meter von der heutigen B 40 (Pariser Straße / früher Napoleonstraße) steht ein markantes steinernes Bauwerk. Was es mit diesem Bauwerk für eine Bewandnis hat, ist nicht leicht festzustellen, da geschichtliche Urkunden fehlen. Aber der Sage nach soll in frühester christlicher Zeit ein Pilgerpfad von Rom nach Köln – Aachen durch unsere Gemarkung geführt haben. Die Wallfahrer benutzten den Pilgerpfad von Worms nach Bingen, quer durch Rheinhessen, um den Weg über Mainz zu sparen.

So standen in längeren Abständen Steine und kleine Bauwerke, in denen sich Standbilder von Heiligen befanden. Hier machten die Pilger, Wanderer auf dem Pilgerpfad, Halt, um ihre Andacht zu verrichten und zu beten.

Jakobswege

Ob das Saulheimer Heiligenhäuschen wirklich ein Teil des Jakobswegs ist, können wir nicht eindeutig nachweisen. Aber Saulheim taucht als Alternativroute des Jakobswegs auf. Das Heiligenhäuschen könnte der hiesige Anlaufpunkt gewesen sein.